Fotos Ausmisten nach KonMari – gute oder schlechte Idee?

19. Februar 2021

Marie Kondo ist ziemlich rigoros beim Ausmisten von Fotos und selbst eingefleischte Fans scheuen davor zurück, die Methode für ihre wertvollen Fotos anzuwenden. Wenn diese Bilder jedoch irgendwo unsortiert in einer Schachtel in einer dunklen Schrankecke vergraben sind, können wir sie eigentlich genau so gut wegschmeissen. Oder etwa doch nicht?!

 

 

 

Die KonMari-Methode ist weltweit bekannt und hat grosse Wellen geschlagen bei den ordnungsliebenden Menschen. Auch ich habe sie ausprobiert und fand, dass sie für mich vor allem für Kleidung und Bücher toll funktioniert. Ich glaube aber auch, dass die Methode für viele nicht geeignet ist. Als Foto-Organisatorin interessiert mich ihre Methode natürlich ganz besonders in Bezug auf Fotos, im Speziellen gedruckte Fotos.

 

 

Wie geht die KonMari-Methode für gedruckte Fotos?

Marie Kondo schlägt grundsätzlich folgendes Vorgehen vor:

  1. Mache ein Aufräumfest.
  2. Arbeite nach Kategorie, nicht nach Zimmer.
  3. Behalte nur Dinge, die Freude machen.
  4. Beginne mit Kleidung, dann mit Büchern, Dokumenten, Verschiedenem (komono) und beende das Aufräumfest mit sentimentalen Gegenständen. Dazu gehören auch Fotos.

Und dies ist der KonMari-Prozess für gedruckte Fotos:

  1. Trage alle gedruckten Fotos zusammen.
  2. Bündle Gleiches mit Gleichem und erstelle Unterkategorien wie zum Beispiel lose Fotos, Negative, Dias, Alben, Fotos auf Karten, Umschläge der Entwickler, gerahmte Fotos, Filmrollen usw.
  3. Nimm jedes Foto in die Hände und entscheide, ob es Dein Herz berührt und Freude auslöst. Falls ja, behalte es. Hinweis: Es geht hier nur um Deine eigenen Fotos, nicht um diejenigen einer anderen Person!
  4. Mache ein Album aus denjenigen, die Du behalten willst und werfe die anderen weg.

 

 

Gedanken aus Sicht einer Foto-Organisatorin

Das klingt recht einfach auf den ersten Blick. Ich habe allerdings gewisse Bedenken, die ich gleich näher ausführen werde. Vorher möchte ich aber noch auf folgendes hinweisen:

Bevor Du mit dem Organisieren von Fotos beginnst, solltest Du Dir zunächst bewusst sein, dass dies sehr zeitaufwändig sein kann. Nimm Dir also genügend Zeit und plane entsprechend. Vergiss ausserdem nicht, dass es keine KonMari-Polizei gibt – Du alleine entscheidest, was Du behalten möchtest und was nicht. Es gibt kein Richtig oder Falsch und es geht nicht um Minimalismus.

 

 

In diesen Punkten stimme ich mit Marie Kondo überein

 

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Alle Fotos zuerst zusammentragen

Auch ich finde es am besten, zuerst alle gedruckten Fotos zusammenzutragen. Nur dann wirst Du sehen, was und wieviel Du hast. Wenn Du die ganze Wohnung nach KonMari entrümpelst, finde ich es super, wenn Du gemäss ihrem Vorschlag eine Kiste bereit hast, in welche Du laufend Fotos legst, die Dir in die Hände kommen.

 

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Die Foto-Kategorie ganz am Schluss anzupacken

Wenn Du den gesamten KonMari-Prozess durchläufst, macht es absolut Sinn, die Fotos zuletzt anzupacken. Deine Ausmist-Fähigkeit wird super trainiert und wenn Du bei den Fotos angelangst, wird dir das Ausmisten dieser Bilder bedeutend leichter fallen.

 

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Warte nicht auf „eines Tages“

Marie erwähnt, dass wir oft Fotos mit dem Plan aufbewahren, sie „eines Tages“ zu sortieren und uns daran zu erfreuen und dass „eines Tages“ niemals kommt. Daher empfiehlt sie, dass wir bereits als junge Menschen beginnen sollen, uns mit unseren Fotos auseinanderzusetzen. Damit bin ich voll und ganz einverstanden – es ist nie zu früh!

 

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Sortiere Familienfotos gemeinsam

Ein weiterer Vorschlag ist, Familienfotos gemeinsam zu sortieren. Ein Beispiel: wenn Deine Eltern Schachteln mit Fotos haben, hilf ihnen, diese durchzugehen und daraus ein Familienprojekt zu machen. Die Fotos werden sowieso bei Dir enden! So aber können Dir Deine Lieben auch die dazugehörigen Geschichten erzählen und Ihr seid alle um eine wunderschöne und wertvolle Erfahrung reicher.

 

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Zeige Deine besten und liebsten Fotos!

Ich mag auch den Vorschlag, die besten Fotos auszuwählen und sie herzuzeigen. Sei das in einem Album, einem Fotorahmen oder einer Collage an der Wand, die Möglichkeiten sind endlos.

 

Wo ich mit Marie Kondo nicht einverstanden bin

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Alle Alben auseinandernehmen

Ihr Ratschlag, die Fotos aus den Alben zu entfernen, kann ich nicht unterstützen, jedenfalls nicht in jedem Fall. Stattdessen, schau‘ Dir das Album zuerst einmal an. Wenn es sich zum Beispiel um ein wunderschön gestaltetes Album handelt, wirst Du zu Recht zögern, es auseinander zu nehmen. Schliesslich hast Du viel Zeit investiert, um es zu gestalten und in den meisten Fällen würde ich es belassen, wie es ist.

In einigen Fällen würde ich jedoch ihren Vorschlag durchaus berücksichtigen. Zum Beispiel, wenn sich Deine Fotos in magnetischen Alben befinden. Dies sind diejenigen mit den klebrigen Seiten und der durchsichtigen Folie darüber. Diese beschädigen nämlich Deine Fotos und sie sollten herausgenommen werden. Ein weiterer Grund könnte sein, dass ein Album nur sehr wenige Fotos enthält oder nur wenige, die Du behalten möchtest. Oder Dein Album ist gar beschädigt oder schimmelig. Dann ist es durchaus angebracht, das Album aufzulösen.

 

 

 

 

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Behalte maximal 5 Fotos eines Ereignisses

Ihr Tipp, nur etwa 5 Fotos pro Tag eines Ereignisses aufzubewahren, ist sinnvoll und würde die Überforderung dramatisch reduzieren. Die Menschen haben jedoch verschiedene Gründe, mehr als nur diese wenigen Bilder zu behalten, und ich denke, man sollte sich hier nicht zu sehr auf diese Zahl 5 fixieren.

Ich werde ein persönliches Beispiel nennen, um zu erklären, was ich meine. Wir sind immer gerne gereist und hatten das Glück, viele Länder und Orte zu besuchen. Natürlich haben wir viele Fotos gemacht. Ziemlich vernünftige Mengen, als wir noch gedruckte Fotos verwendeten, eindeutig zu viele mit der Digitalkamera. Mein Mann macht gerne Landschaftsfotos und probiert verschiedene Dinge mit der Kamera aus. Wir löschen viele davon und ich bin mir bewusst, dass die meisten dieser Fotos irgendwann von unseren Kindern weggeworfen werden. Dennoch wäre es für uns zu diesem Zeitpunkt zu unrealistisch, sie auf 5 pro Tag zu reduzieren. Was wir allerdings tun, ist diese Fotos zu bewerten. Nur die besten werden zu unserer ‘Vermächtnis-Kollektion’ hinzugefügt, damit unsere Kinder eben einmal später nicht wochenlang Fotos sortieren müssen oder gar einfach alles wegschmeissen, weil es zu viel ist.

Denke daran, es gibt keine KonMari-Polizei, die uns dafür bestraft, wenn wir mehr behalten!

 

 

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Schmeiss‘ die Negative weg!

Mit dem Ratschlag, die Negative wegzuschmeissen, bin ich auch nicht ganz einverstanden, obwohl die meisten Menschen vermutlich genau dies tun.

Ich bin jedoch aus zwei Gründen sehr vorsichtig damit: Erstens können wir sie als zusätzliche Sicherungskopie (Backup) aufbewahren. Zweitens, wenn du diese Fotos jemals digitalisieren möchtest, erhältst Du eine viel bessere Qualität beim Scannen des Negativs als eines gedruckten Fotos. Insbesondere, wenn der Druck bereits verblasst ist oder anderweitig beschädigt wurde. Ausserdem nehmen die Negative ja nicht wahnsinnig viel Platz weg. Du brauchst sie nicht in diese Plastikhüllen zu sortieren, schmeisse sie einfach in eine Archivkiste.

 

 

 

Und nun? Was kommt nach dem Ausmisten?

Dies sind die nächsten Schritte nach dem Ausmisten der Fotos, unabhängig davon, ob Du nach KonMari ausmistest oder nicht:

  1. Entsorge die weggeschmissenen Fotos. Beachte dabei, dass Fotos aufgrund der Chemikalien, die beim Entwickeln verwendet wurden, nicht recycelt werden können und mit dem Haushaltsabfall vernichtet werden sollten. Wenn Du Dich über Identitätsdiebstahl sorgst, kannst Du sie zuerst shreddern.
  2. Gib alles weiter, was noch intakt und verwendbar ist, z. B. Bilderrahmen oder neue, nicht verwendete Alben.
  3. Digitalisiere Deine gedruckten Fotos! Dies ist nicht nur die einzige Möglichkeit, sie zu sichern, sondern erleichtert auch das Teilen Deiner Fotos erheblich. Dies geht übrigens auch mit Alben, man kann problemlos auch eine ganze Albumseite scannen.
  4. Archiviere die Ausdrucke in Fotoboxen oder Alben und achte darauf, dass die verwendeten Materialen die richtigen Qualität haben, z.B. Archivpappe.

Now, this sparks joy!

 

 

 

Bei Fragen zu diesen Tipps oder zu Foto-Organisation allgemein, stehe ich gerne zur Verfügung. Melde Dich einfach bei chantal@fotosinordnung.com.

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